Mir fehlen einfach die Worte für dieses "Buch"

Eisprinz und Herzbube - Elena Losian, Casandra Krammer

 - und finde dann doch so viele. Schlimm!

 

Das Cover, der Titel und die Inhaltsangabe haben mir den Anschein gegeben, dass das ein wirklich tolles Boy-Love-Buch werden könnte, allerdings habe ich mich ganz schön täuschen lassen. Hätte ich doch nur meinem Bauchgefühl mehr vertraut, als es beim ersten anlesen schon rumgemeckert hatte ...
Der Anfang war schon nicht schlecht. Ich musste ein bisschen hier und da schmunzeln, weil die beiden Hauptcharaktere sich wirklich süß, für den Leser, geärgert haben. Nebenbei fand ich einfach auch die anderen wichtigen Charaktere für die Story wirklich toll und es wirkte auch gut, aber schnell hat sich die Autorin wohl selbst etwas verloren in ihrer Geschichte. Es wirkte auf mich wie ein RPG und nicht wie ein Roman. Alles wurde schnell zu den "kleinen Höhepunkte" aufgebaut, nur um dann wieder endlos in einem Drama zu verfallen, das jetzt nicht hätte sein müssen. Ich weiß nicht, ob es das erste Buch der Autorin ist. Wenn ja, dann ... okay, dann "verzeihe" ich es ihr, weil man als Autor einfach nicht das Rad neu erfinden kann, aber die Bewertung macht das auch nicht besser - leider.
Was mir allerdings besonders sauer aufgestoßen ist war: Der Großvater und der Vater von Emilio sind schwul und der Junge ist sich nun unsicher, wegen seinen Gefühlen gegenüber Männern, ob er es auch ist. Was? Das klingt für mich so, als ob man nur Homosexuell "werden kann", wenn es in der Familie liegt. Okay, man erfährt zwar etwas später, dass der Vater bisexuell ist bzw. war - zur Erklärung: ich habe ab 34% angefangen Sachen zu überspringen und dabei waren auch die Teile mit der Mutter und ich hab nun kein Plan, wie es zu der Schwangerschaft der Mutter gekommen ist - aber dennoch wirkt es sehr unrealistisch auf mich. Es kann natürlich jetzt auch ein Punkt sein, der sich im Buch erklärt und ich ihn überlesen habe, dennoch ist es einfach ... Nächstes Thema, bevor ich mich hier noch mehr verstricke :D
Das Drama, dass sich bei den Jungs abspielt fand ich auch etwas sehr an den Haaren herbei gezogen. Der "Eisprinz" hat ein schwieriges Familienverhältnis, dass sich zum Schluss aufklärt, während der "Herzbube" ebenfalls Drama bekommt und sich dann noch selbst Drama mit seinem Freund macht, obwohl das auch nicht wirklich zum Drama gemacht wird, weil sie dann doch nur ihre Liebe zueinander genießen. Es ist halt, wie gesagt: kein neu erfundenes Rad.

 

Kommen wir jetzt 'mal zu etwas positiven: Während des überfliegen des Textes kam ich immer wieder schnell und sofort in die Handlung rein, was super war und man durch die Gedanken auch so schnell wusste, was man "verpasst" hatte. Die Hauptcharaktere, den besten Freund und den Ziehvater von Emilio fand ich gut gezeichnet, während die anderen irgendwie immer im Schatten waren. Das fand ich etwas schade, aber gut ... es hätte die Handlung wohl nur noch mehr ausgeweitet, was dem Roman nicht gut getan hätte.
Ebenfalls fand ich es schön, dass wenigstens die Unsicherheit der ersten große Liebe, besonders zum eigenen Geschlecht, realistisch gehalten wurde zB: nach Tutorials im Netz suchen oder einfach 'mal ein Elternteil fragen. Genau so, die Frage: Wie findet man heraus, dass man auf das gleiche Geschlecht steht und es nicht einfach nur so eine Phase ist? Das war wirklich schön durchdacht von der Autorin, aber es kam alles irgendwie viel zu spät für mein Geschmack. Es wirkte einfach wieder so, als hätte die Autorin unbedingt so und so viele Seiten füllen müssen, um das Buch veröffentlichen können. (Von den Tippfehlern mal ganz abgesehen, obwohl es hätte schlimmer sein können, mal ganz ehrlich.)

 

Fazit des ganzen, weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass ich mich selbst hier verloren habe: Es existiert ein roter Faden in dem Buch, den man am Anfang deutlich spürt, aber schnell bemerkt man, dass er sich irgendwann auflöst, um dann gegen Ende wieder zu kommen. Die Autorin hat ein Buch geschaffen für Menschen die noch nie ein Boys-Love-Roman gelesen haben, allerdings sollte man dann nicht all zu kritisch daran gehen. (Wie ich in dem Fall, höhö.) Mit 410 Seiten war es für mich kein "Happen für Zwischendurch", aber wer einen Einstieg in dem Genre sucht, der wird das Buch schnell weglesen können.

Lese-/Kaufempfehlung? Nicht wirklich. Man kann es lesen, muss aber nicht. Man sollte sich von dem tollen Cover nicht täuschen lassen.

 

Over and out!