"Jeder kann jeden verraten."

Die Farben des Blutes, Band 1: Die rote Königin - Victoria Aveyard, Birgit Schmitz

Ich habe mir, bevor ich das Buch gekauft habe, die Leseprobe gelesen. Sie beinhaltete, glaube ich, die ersten drei oder vier Kapitel. Ich war hin und weg. Es war super spannend, die Hauptprotagonistin war mir sympathisch und das ganze Setting der Welt gefiel mir. Und dann ... habe ich mir das Buch gekauft. Ich konnte sofort weiterlesen, mitfiebern, wollte es nicht weiter aus der Hand legen, aber dann ...

 

... Mare hat sich immer mehr zu einer Drama-Queen entwickelt. Sie badete in Selbstmitleid, genoss es, dass jeder Mann ihr verfiel und rekelte sich genüsslich darin, dass sie perfekt in die Opfer-Rolle passte. Und nicht zu vergessen das Liebesdreieck. Himmel, hat mich das aufgeregt. Es war zwar nicht so offensichtlich, wie in anderen Jugendbüchern, aber es war da! Und natürlich musste es mit zwei Brüdern sein. Und natürlich musste sie sich bei jedem schlecht fühlen, wenn sie ihm zu nahe kam.

 

Die beiden Brüder ... der eine wirkte zu perfekt auf mich, während der andere einfach ein total Schnuckelchen war. Den einen mochte ich, den anderen hasste ich. Der eine entpuppte sich als Plot Twist (ich liebe dich trotzdem noch, Baby! Sorry für das Fangirling) der andere als Ich-bin-verletzt-und-liebe-dich-bestimmt-in-Band-2-immernoch-aber-trotzdem-werde-ich-dir--erstmal-die-kalte-Schulter-zeigen.

 

Die Handlung an sich war von der größten Drama-Queen der Welt und der Arschkriecherei der anderen Charaktere bestimmt. Nur ein Nebencharakter hat seine Krallen gezeigt, aber leider kam das nur am Anfang des Buches vor und immer weiter gegen Ende ist das verblasst. Schade, denn ich hätte mir einen Zickenkrieg sehr gewünscht. Wie ich, glaube ich, schon erwähnte, war der Fokus nicht so stark auf die Dreiecksbeziehung gelegt und dadurch kam die Rebellion gegen die Silbernen sehr gut zum Vorschein. Ich fieberte an manchen Stellen mit, war auf der Seite der Silbernen ab einem gewissen Kapitel, doch gegen Ende weiß ich es nicht mehr so genau auf welche Seite ich stehe.

 

Der Schreibstil war wirklich sehr flüssig zu lesen, ab und zu zwar von unnützen Wiederholungen geprägt. Die Autorin wiederholte ständig irgendwelche Sachen, die man vor gefühlten fünf Sätzen schon einmal gelesen hat - man könnte als Leser das ja ganz Schnell vergessen haben, ne?

 

Ich habe auf Goodreads irgendwo eine Anmerkung gelesen, ob das Buch nun High-Fantasy oder Dystopie ist und der Leser fragte, ob sich die Autorin nicht entscheiden könnte. Mir ist das bis dato nicht aufgefallen. Ich finde das eine schöne Mischung zwischen den beiden, aber beim Lesen stößt es einen manchmal doch schon sauer auf, wenn man liest, dass da der eine Prinz sich auf sein Motorrad schwingt und zwei Sätze später wird wieder davon gesprochen, dass das alles eine ganz andere Welt ist mit anderen Sprachen "als früher es einmal war".

 

Kann ich das Buch empfehlen? Nahh ... schwierig. Wer starke Nerven hat - und zwar wirklich richtig starke - der kann The Red Queen aka The Biggest Drama Queen of the World lesen. Ansonsten verpasst man nicht wirklich etwas. Ich kann den Hype nämlich nur Bedingt nachvollziehen. Ich denke, dass besonders der Plot-Twist ab 80% die meisten Leute dazu gebracht hat das Buch so zu feiern. Man fühlte sich als Leser selbst etwas betrogen und konnte dadurch Mare sehr gut verstehen - aber selbst da machte sie mir das Ende madig mit ihrem Dauer-Selbstmitleid.Dennoch werde ich mir den zweiten Band besorgen, wenn er auf Deutsch erscheint. Dafür gibt es auch den dritten Stern, denn ansonsten hätte das Buch nur zwei bekommen. Einmal für die Idee mit dem verschieden farbigen Blut und das man nichts voraussagen konnte, sowie dem leichten Suchtpotenzial. Und natürlich möchte ich wissen, wie es mit meinem Lieblingscharakter weiter geht. (Und natürlich meine ich damit NICHT Mare.)