Es lässt den Leser einfach nicht kalt.

Tagebuch der Anne Frank - Anne Frank

Immer, wenn ich an meinem Lieblingsplatz spazieren gehe, dann komme ich an einen kleinen Friedhof vorbei, dessen Gräber ich mir genauer anschaue und mich frage: „Wie haben die Menschen wohl den Krieg, die Gefangenschaft und überhaupt diese Zeit, in der sie damals lebten, erlebt?“ Ich habe dann immer das Verlangen gespürt „Anne Franks Tagebuch“ zu lesen, doch mich einfach nicht getraut mich diesem Buch ganz zu widmen – bis zu diesem Jahr.

Die ersten Seiten lassen einen nicht unberührt. Überhaupt, das ganze Buch, lässt einen nicht kalt. Es ist eine eigenartige bedrückende und gleichzeitig sommerleichte Stimmung, die das Buch versprüht. Man liest, wie Anne das Tagebuch zu ihrem Geburtstag geschenkt bekommt, wie sie von ihren Freundinnen und ihrer Familie erzählt. Man merkt sofort, dass das eben wirklich ein Tagebuch ist. Ein Tagebuch von einer elfjährigen, die schon da zu wissen scheint, was sie will und was nicht. Und dieses Gefühl merkt man noch mehr, wenn man das Tagebuch weiterliest, denn schließlich wird sie älter und reifer.
Das schlimmste dabei ist aber eigentlich, dass zwischen dem Alltag auch der Krieg zu Vorschein kommt.

„Ich bin noch nicht ganz fertig mit meinem Trauergesang. Hast du schon mal was von Geiseln gehört? Das führen sie nun als neueste Strafmethode fr Sabotage ein. Etwas Schrecklicheres kann man sich nicht vorstellen. Angesehene, unschuldige Bürger werden verhaftet und warten auf ihre Ermordung. Wird irgendwo sabotiert und der Täter nicht gefunden, stellt die Gestapo seelenruhig in so fünf Geiseln an die Wand. Oft stehen die Todesmeldungen in der Zeitung. Ein 'schicksalhaftes Unglück' wird dieses Verbrechen dann genannt.
Ein schönes Volk, die Deutschen, und da gehöre ich eigentlich auch noch dazu! Aber nein, Hitler hat uns längst staatenlos gemacht.“



„Sie hatte ihr Kram noch nicht wieder weggeräumt, als die Sirenen heulten, daher ging ich mit ihr hinauf. Es war höchste Zeit, denn fünf Minuten später fing die Schießerei an, so laut, dass wir uns in den Flur stellten. Das Haus dröhnte, und die Bomben fielen. Ich drückte meine Fluchttasche an mich, mehr, um mich an etwas festzuhalten, als um zu flüchten, denn wir können ja doch nicht weg. Im Notfall ist für uns die Straße genauso lebensgefährlich wie eine Bombardierung.“

Aber man ließt auch die Verzweiflung von Anne, wie sie sich nach der Freiheit sehnt. Dem „einfach 'mal draußen die frische Luft genießen“.

„Wann ist es uns wieder mal vergönnt, Luft zu riechen?“ Und obwohl ich meinen Kopf nicht unter der Decke stecken darf, mich im Gegenteil aufrecht und stark halten muss, kommen die Gedanken doch, nicht nur einmal, sondern viele Male, unzählige Male.

Ich fühlte mich dabei richtig schlecht gemütlich auf dem Bett zu liegen und diese Zeilen zu lesen, während man dabei das Licht anhatte, das Fenster offen … und Anne? Anne durfte nicht die schweren Vorhänge, am Tage, vom Fenster wegschieben. Anne musste aufpassen, dass das Versteck nicht entdeckt würde.
Doch neben den Alltag, den man verfolgte, konnte man eben auch, wie ich schon sagte, erkennen, dass Anne reifer wird, eben zu einem richtigen „Backfisch“ wird. Mehr schreibe ich nicht dazu, denn ansonsten gebe ich fast das gesamte Buch, gefühlt, wieder.

In meinem Umwelt sagte 'mal jemand „die Geschichte wiederholt sich“ und dem muss ich zustimmen. Natürlich merkt man es, wenn man die Nachrichten verfolgt, aber man liest hier auch vieles, dass man auch gut in die heutige Zeit sagen/schreiben kann. Kleines Beispiel Zitat:

„Warum gibt man jeden Tag Millionen für den Krieg aus und keinen Cent für die Heilkunde, für die Künstler, die Armen? Warum müssen die Leute hungern, wenn in anderen Teilen der Welt die überflüssige Nahrung wegfault? Warum sind die Menschen so verrückt?“

Man kann so viel über Anne sagen, dass man das gar nicht alles in einer „Rezension“ verfassen kann. Dieses Buch ist einfach keine leichte Kost, obwohl ich die letzten Tage gut mit dem Lesen „vorangekommen“ war. Bewerten möchte ich eigentlich diese Lektüre nicht, aber ich tue es trotzdem, denn dieses Buch ist einfach absolut Lesenswert.

Und zum Schluss, obwohl mich eigentlich das Nachwort am meisten hat in eine Art „schwarzes Loch“ hat fallen lassen, weil man doch zu Anne eine Bindung gespürt hat, möchte ich mit euch das Zitat teilen, dass mich am meisten berührt hat:

Es ist ein Wunder, dass ich nicht alle Erwartungen aufgegeben habe, denn sie scheinen absurd und unausführbar. Trotzdem halte ich an ihnen fest, trotz allem, weil ich noch immer an das innere Gute im Menschen glaube.
Es ist mir nun mal unmöglich, alles auf der Basis von Tod, Elend und Verwirrung aufzubauen. Ich sehe, wie die Welt langsam immer mehr in eine Wüste verwandelt wird, ich höre den anrollenden Donner immer lauter, der auch uns töten wird, ich fühle das Leid von Millionen Menschen mit. Und doch, wenn ich zum Himmel schaue, denke ich, dass sich alles wieder zum Guten wenden wird, dass auch diese Härte aufhören wird, dass wieder Ruhe und Frieden in die Weltordnung kommen werden. Inzwischen muss ich meine Vorstellungen hochhalten, in den Zeiten, die kommen, sind sie vielleicht doch noch auszuführen.
Deine Anne M. Frank